Weibliche Sexualität nach Brustkrebs

Wenn ich an meine eigene Diagnose zurückdenke, erinnere ich mich vor allem an die Momente, in denen niemand über das geredet hat, was mich wirklich beschäftigt hat. Über die Narben, die nicht nur auf der Haut sichtbar waren. Über das Gefühl, dass mein Körper nicht mehr mir gehört. Über die Frage, ob ich jemals wieder jemanden an mich heranlassen kann – nicht nur körperlich, sondern in dem Sinne, dass ich mich dabei nicht verstelle.

Sexualität ist in der onkologischen Nachsorge fast nie ein Thema. Medizinisch wird sie nicht abgefragt. Psychologisch wird sie oft nur gestreift, wenn überhaupt. Und in Partnerschaften ist sie ein Bereich, in dem sich viele Patientinnen zurückziehen, weil die Unsicherheit größer ist als das Verlangen.

Was ich aus meiner eigenen Erfahrung und aus der Begleitung anderer Betroffener mitbringe:

  • Ich weiß, wie es sich anfühlt, wenn der eigene Körper plötzlich fremd wird – und ich weiß, dass dieser Prozess nicht mit der letzten Bestrahlung endet, sondern oft erst danach richtig beginnt.

  • Ich kenne die Scham, die sich nicht auf den Krebs bezieht, sondern auf das, was "danach" nicht mehr funktioniert – Berührungen, Nacktheit, Lust, Orgasmus, Penetration, oder einfach nur das Gefühl, begehrt zu werden.

  • Ich arbeite nicht defizit-orientiert. Ich gehe nicht von "was geht nicht mehr" aus, sondern von "was willst du, und was brauchst du, um dahin zu kommen". Dein Körper hat sich verändert – deine Sexualität darf sich mitverändern, ohne dass sie weniger wert ist.

Themen, mit denen Frauen zu mir kommen, sind zum Beispiel:

  • Ein neues Körperbild entwickeln, ohne das alte zurückzuwollen

  • Intimität in der Partnerschaft wieder zulassen, ohne sich zu verstellen

  • Lust und Erregung neu entdecken – mit einem Körper, der sich anders anfühlt

  • Kommunikation mit dem:der Partner:in – oft der schwierigste, aber wichtigste Schritt

  • Die Frage, ob eine neue Partnerschaft möglich ist – und wenn ja, wie

Wenn du unsicher bist, ob eine Begleitung für dich passt: Du musst nicht "weit genug" sein. Du musst nicht alles ansprechen können. Ein erstes Gespräch reicht oft, um zu spüren, ob der Raum stimmt.

Eine Weiße Frau mittleren Alters wurde mit Brustkrebs diagnostiziert.